Zweck der Kurt-Alten-Stiftung

Ansprache anlässlich der Vergabe „Förderpreis des Handwerkes 2010” der KURT-ALTEN-STIFTUNG am 01.12.2010 von Herrn Burkhard Scherrer

Ich habe schon mehrfach hier vor ihnen gestanden und das Vergnügen gehabt, die jährliche Preisverleihung durch die Kurt-Alten-Stiftung einleiten zu dürfen. Wie oft das der Fall war, erinnere ich nicht. Auch andere Vorstandsmitglieder haben schon von dieser Stelle zu ihnen gesprochen. Sicher ist aber, dass wir heute schon zum elften Mal zwei junge Handwerker mit jeweils 5.000,00 € für besondere Leistungen auszeichnen können. Das erfüllt uns mit Stolz und Dankbarkeit.

Lassen Sie mich dazu noch einmal kurz in Erinnerung rufen: die Stiftung wurde 1996 durch Herrn Kurt Alten ins Leben gerufen. Sie stellt quasi den Schlusspunkt unter der Lebensleistung des Stifters dar, der vor rund 45 Jahren in Wennigsen auf der grünen Wiese mit der Herstellung von Überladebrücken und Torabdichtungen begonnen hat. Aus kleinsten Anfängen hat er ein Unternehmen entwickelt, dass Europa-, ja Welt-Geltung erlangt hat. Ursächlich und Basis dafür waren ungeheurer persönlicher Einsatz und unternehmerischer Wagemut. Als Herr Alten sein Unternehmen Mitte der 90er Jahre aus Altersgründen veräußerte, wurde die Stiftung gegründet.

Natürlich haben wir seinerzeit intensiv über den Zweck der Stiftung nachgedacht. Das Ziel war alsbald gefunden: Eliteförderung. Der Begriff „Elite“ hat in der Öffentlichkeit, zumindest in Deutschland, einen schlechten Klang. Ich will das nicht geschichtlich beleuchten oder gar begründen, aber unmissverständlich klarstellen, dass die Elite – richtig verstanden – nichts zu tun hat mit Privilegierung, Prominenz oder hoher Gehaltsgruppe. Zur Elite gehören vielmehr diejenigen, die über die Wahrnehmung vernünftiger, subjektiver Belange hinaus das Ganze, das Gemeinwohl im Auge haben und mit ihren spezifischen Leistungen nicht ausschließlich für den eigenen Geldbeutel wirken. Gerade ein Land wie Deutschland, das mehr als die meisten anderen Länder dieser Erde von der modernen Wissensgesellschaft geprägt wird, ist ohne Spitzenleistungen nicht existenzfähig. Spitzenleistungen im weitesten Sinne sind nun einmal erforderlich, weil nur sie die technologische Weiterentwicklung ermöglichen. Eliten, um das Wort noch einmal zu benutzen, sind aber auch unverzichtbar als Impulsgeber mit Vorbildfunktion.

Bei der Heranbildung solcher Eliten für unterschiedliche Berufsgruppen mitzuhelfen, ist Ziel der Stiftung. Förderpreise werden auf verschiedenen Gebieten, also nicht nur an Handwerker, sondern auch an Studenten der sieben norddeutschen Musikhochschulen, angehende Tierärzte, an Schüler eines Göttinger Gymnasiums und an Studenten bzw. Assistenten der Leibniz Universität aus dem Bereich der Fertigungstechnik vergeben.

Mit dem Handwerkerpreis wurden in den vergangenen 10 Jahren zum einen Gesellen mit besonders guter Abschlussprüfung als Voraussetzung qualifizierter Fortbildung ausgezeichnet, zum anderen jungen Meister, die sich selbstständig machen wollten. Bei der letztgenannten Gruppe hat die Auswahlkommission der Stiftung in diesem Jahr keinen, lassen Sie mich kurz formulieren, ihr geeignet erscheinenden Kandidaten gefunden. Stattdessen ist beschlossen worden, in diesem Jahr ausnahmsweise zwei Gesellen mit dem Preis zu fördern. Beide haben einen ganz vorzüglichen Eindruck hinterlassen. Darf ich beide Herren, Björn Drebbermüller und Milan Hillebrecht, zu mir bitten. Herr Drebbermüller hat am Fachgymnasium Wirtschaft in Diepholz im Jahr 2008 das Abitur abgelegt mit einer Durchschnittsnote von 1,7. Ich bin mit Blick auf mein zum Glück über 50 Jahre zurückliegendes Abitur vor Neid erblasst. Das Ergebnis der Tischlerausbildung und der Abschluss an der Berufsschule, beides in diesem Jahr, fielen noch besser aus. Im Landeswettbewerb der Gesellenstücke wurde ihm eine besondere Urkunde verliehen. Aus dem Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks 2010 ist er sogar als Kammersieger im Ausbildungsberuf Tischler hervorgegangen. Einen solchen Sohn hätte sich meine Mutter auch gewünscht. Und was nun? Herr Drebbermüller hat an der Fachhochschule Münster das Studium zur Erlangung eines Bachelor- / Masterabschlusses im Fach Bauingenieurwesen aufgenommen. Ich bin sicher, auch das wird mit dem bisher gezeigten Engagement wieder ein großer Erfolg. Mit dem Scheck, den sie gleich erhalten, soll ihnen das eine oder andere auf diesem Wege erleichtert werden.

Der zweite Preisträger – das ist keine qualitative Reihenfolge, sondern nur alphabetische Konsequenz – ist Milan Hillebrecht. Er hat – wohnhaft in Burgwedel – die freie Waldorfschule Hannover-Bothfeld besucht. Im Juni 2008 hat er dort mit nahezu der gleichen Durchschnittsnote das Abitur bestanden. Die Lehre zum Zimmerer hat er 2010 mit der Note sehr gut abgeschlossen. Auch das Abschlusszeugnis der Berufsschule der Region Hannover weist eine nur unwesentlich darüber liegende Durchschnittsnote aus. Und was steht nun auf dem Plan? Erst einmal ein Jahr Arbeitserfahrung, möglichst im Ausland. Und dann lockt entweder die Meisterschule oder auch, wie bei Herrn Drebbermüller, ein Studienplatz im Bereich Bauingenieurwesen. Wie auch immer die Entscheidung ausfallen möge: in beiden Fällen kann und soll der Scheck Erleichterung und Hilfe bringen.

Und nun, liebe Frau Alten, darf ich Sie zur Preisverleihung nach vorn bitten. Es ist schön, dass Sie auch in diesem Jahr wieder dabei sein können und von ihrer Tochter begleitet werden, die der Stiftung von Anbeginn an sehr verbunden war. Der Stifter selbst ist nach langer Krankheit leider im letzten Jahr verstorben. Wir werden versuchen, die Erinnerung an Ihn in der Stiftung und mit der Stiftung wachzuhalten.